Gemälde

Portrait der Urgroßmutter

Datierung: k.A. oder unbek.. Standort: BAWUE

Prädikat: Wertlos. Dank dieser Beurteilung ist das Gemälde heute in Stuttgart und immer noch im Besitz der Urenkelin der Portraitierten. Besagte Urenkelin, Ingrid S., ist auf dem zweiten Gemälde zu sehen. 1981 wanderte sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer sechs Jahre alten Tochter nach Deutschland aus. Um das Gemälde ihrer Urgroßmutter aus Rumänien ausführen zu können, musste sie es sowie auch alle anderen Gegenstände, die sie mitnehmen wollte, einer Kommission vorzeigen. Diese überwachte die Ausfuhr von nationalen Kulturgütern aus Rumänien - was die Aussiedler mitnehmen durften und was nicht bestimmte das totalitäre Regime unter Staatspräsident Nicolae Ceauşescu. Wertlos bedeutete in diesem Fall also, dass das Gemälde kein schützens- und erhaltenswertes Artefakt rumänischer Kulturgeschichte sei. Tatsächlich ist das Gemälde der Urgroßmutter ein Werk des Kronstädter Malers und Grafikers Friedrich Miess (1854-1935). Da er in Siebenbürgen nicht unbekannt war, änderte ein Maler, der der Kommission angehörte, die Signatur des "richtigen" Malers Miess in Miele um und machte daraus vorübergehend ein unbedeutendes Kunstwerk, das problemlos nach Deutschland überführt werden konnte. Die Kommission musste außerdem mit Zigaretten und Cognac bestochen werden und der Kommissions-Maler bekam den Auftrag das Gemälde zu kopieren, aber das Gesicht der Urgroßmutter mit demjenigen von Frau S. zu ersetzen. Auch eine Art der Bestechung, denn der Maler verdiente an diesem Auftrag und wurde sogar in D-Mark bezahlt. Er brachte das Gemälde nach der Fertigstellung nach Deutschland und machte aus demjenigen der Urgroßmutter wieder ein Original von Miess. Auf dem Foto sind Frau S. und ihre Tochter in Kronstadt (rumänisch Braşov), ihrem Heimatort in Siebenbürgen in Rumänien, zu sehen. Im Hintergrund das Gemälde der Urgroßmutter.

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