Sakrales Kleidungsstück

Ruana

Datierung: k.A. oder unbek.. Standort: BAWUE

Sakrales Kleidungsstück

Der in Bogotá geborene und aufgewachsene Carlos Pinillos Morales wurde im Elternhaus streng katholisch erzogen und er besuchte auch eine katholische Schule. Dennoch waren die eher wohlhabenden Eltern vom katholischen Glauben abweichenden Lebenswegen nicht verschlossen. Der Familienzusammenhalt hatte oberste Priorität, dem auch Glaubensfragen untergeordnet wurden. Im Alltag wurde z.B. sehr viel Wert auf das gemeinsame Frühstück gelegt, bei dem nicht nur das Essen, sondern auch persönliche Gespräche im Vordergrund standen. Auf diese Weise war es Carlos auch möglich, sich offen von der katholischen Kirche als Institution zu distanzieren, und sich trotzdem als gläubig zu bezeichnen. Er hat seine eigene Spiritualität gefunden in Form eines (einen großen Teil der Gesellschaft prägenden) Synkretismus aus Christentum und indianischem Schamanismus. Die Mutter will zwar mit dem Schamanismus direkt nichts zu tun haben, doch hat sie mit einer Mischung aus Yoga und Marienkult ebenso ihren eigenen Synkretismus entworfen. In Kolumbien hatte Carlos seinen eigenen, persönlichen Schamanen, mit dem er sich regelmäßig in den Bergen oder im Dschungel traf, um Rituale durchzuführen. Für Carlos bedeutet Schamanismus, die Realität zu verstehen, seine persönlichen Begabungen zu entdecken und zu stärken; Schamanismus sieht er als eine aktive Philosophie. Für die Rituale zieht er ein schwarz-weiß gemustertes Ruana an, ein Poncho-artiges Kleidungsstück. Es dient als Schutz und stellt für Carlos ein sakrales Objekt dar. Er bekam das Ruana etwa 2005 von seinem Großvater mütterlicherseits geschenkt, der ihn bei Bauern an der Küstengegend erwarb (auch wenn es vom Großvater ursprünglich nicht für diesen Zweck gedacht gewesen sein mag).
Dieses besondere Kleidungsstück brachte Carlos mit nach Deutschland, als er 2007 im Alter von 29 zum Studieren nach Ludwigsburg kam. Später setzte er das Studium in Stuttgart fort, wo das Ruana nun die Schranktür seines Zimmers ziert. Auch wenn er schon mehrere Jahre nicht mehr persönlich bei seinem Schamanen war, hat er dennoch regelmäßig telefonisch Kontakt mit ihm. Auch privat und geschäftlich hält Carlos Kontakte nach Kolumbien aufrecht.

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